Wunsch nach mehr Effizienz Von Frank Michalczak
1999 und 2004 hieß der Sieger bei den Bürgermeister-Wahlen in Radevormwald Dr. Josef Korsten, gegen den die CDU-Bewerber Jürgen Hanßen und Erni Huckenbeck keine Chance hatten. Nun soll es Matthias Buckesfeld (43) für die Christdemokraten richten.
Der CDU-Kandidat arbeitet derzeit im Haaner Rathaus als städtischer Beigeordneter und war von 1997 bis 2002 als Baudezernent bei der Radevormwalder Stadtverwaltung tätig.
Mit der Nominierung des Ingenieurs und Stadtplaners erfolgte sein Comeback in der Bergstadt, wo er sich ehrenamtlich bei TuSpo Dahlhausen als Vorsitzender engagiert. Nebenberuflich war er zwischenzeitlich eine Partnerschaft mit dem ehemaligen Bauamtsleiter Ernst Aschermann eingegangen.
Darin offerierten die Beiden Kommunen ihre Beraterdienste. "Daran ist nichts Ungewöhnliches. Ganz harmlos - wir haben lediglich Städten unser Knowhow angeboten", erklärt Buckesfeld, der sich auch um die Immobilien seiner Familie kümmert, wie er kürzlich bei einer Podiumsdiskussion erklärte.
Der 43-Jährige, der in seiner Freizeit gerne Motorrad fährt und noch in Wuppertal wohnt, ist erst seit Juli 2006 Mitglied der Union. "Das fing durch mein kommunalpolitisches Engagement in Ronsdorf an", erinnert sich Buckesfeld, der sich selber als "kritischer und liberaler CDU`ler" bezeichnet. Allgemein würde er sich in den Parteien mehr "Selbstkritik" wünschen.
Wer mit Buckesfeld spricht, hört viel von "Nachhaltigkeit", mit der die Politik und die Finanzwirtschaft in Radevormwald betrieben werden solle. Diese Nachhaltigkeit, aber auch Visionen und konsequentes Handeln - etwa was das Wülfing-Projekt betrifft - fehlen ihm in der Bergstadt, wie er an die Adresse seines Gegenkandidaten Dr. Korsten anmerkt.
Hier eine Zusammenfassung seiner Positionen zu unterschiedlichen Politfeldern in Radevormwald.
Bau des "life-ness" Die Ursachen für das Desaster beim Bau des Freizeitzentrums "life-ness", das 2,5 Millionen teurer als geplant wurde, seien eine "Melange aus fachlichen und strukturellen Defiziten", erklärt Matthias Buckesfeld. "Hier wurden grobe handwerkliche Fehler begangen. Verantwortlichkeiten waren nicht klar benannt. Wie so oft, hat der Erfolg viele Väter, der Misserfolg aber keinen einzigen Vater."
Zudem habe es bei dem Projekt am "Controlling" gemangelt. Dabei sieht er auch den Bürgermeister in einer Mitschuld, schließlich vertrete er die Stadt Radevormwald kraft seines Amtes in der Gesellschafterversammlung. Aber auch vor dem aquafun-Umbau sei es nicht gelungen, einen "Zielfindungsprozess" einzuleiten. Die Frage, "was wollen wir und was können wir uns leisten", sei zu kurz gekommen.
Fortbestand der Grundschulen Wenn es um die Zukunft der Grundschulen im Besonderen und der städtischen Gebäude im Allgemeinen geht, fordert Buckesfeld eine "zielgerichtete und systematische Vorgehensweise" - und eine Analyse, welche Immobilien zu welchem Preis benötigt werden. Es gelte beim Gebäudemanagement, Bedürfnis von Bedarf zu trennen.
Dazu seien langfristige Überlegungen nötig. "Ich muss mir doch die Frage stellen, was mich ein Gebäude, das ich heute baue, im Laufe der nächsten 40, 50, 80 Jahren an Folgekosten beschert." Statt dessen sei in Radevormwald gerade bei der Debatte über die Grundschulstandorte eine emotionale "Ad-hoc-Diskussion" geführt worden. Künftig müssten auf der Basis gesicherter Daten (Schülerentwicklung, Raumstandard) unterschiedliche Szenarien erarbeitet werden, die dann den Politikern als Entscheidungshilfe dienen - etwa, wenn die Notwendigkeit festgestellt wird, einen Schulstandort aufzugeben.
Das müsse aber nichts Schlimmes bedeuten. Im Gegenteil. "In Haan haben wir eine Grundschule und die Musikschule unter einem Dach in einem Neubau untergebracht." Von dieser Lösung hätten alle profitiert. Es gelte, auch in Radevormwald Visionen zu entwickeln und "Ideen den Betroffenen schmackhaft" zu machen. Auch das habe zuletzt gefehlt.
Thema "Finanzen" Angesichts der dramatischen Finanzlage der Stadt sei die Streichung weiterer "freiwilliger Leistungen" (etwa für Musikschule oder Kulturkreis) lediglich "Peanuts". Entscheidend sei es, in das städtische Eigentum (Gebäude, Straße, Kanäle) werterhaltend zu investieren. Das Anlagevermögen sei der eigentliche Schatz der Stadt, mit man man sorgfältig umgehen müsse. "Es darf nicht sein, dass eine gerade eben sanierte Straße in 20 Jahren erneut saniert werden muss."
Chancen seien in der Vergangenheit, auch bei dem Modellprojekt "Shared Services" verpasst worden - bei dem das Rader Rathaus seine Dienstleistungen mit den Stadtverwaltungen der Nachbarstädte bündeln wollte. Insbesondere beim "Beschaffungswesen" ließen sich Kosten einsparen. Ähnliches gelte auch für den Einsatz des Personals, der zielgerichtet erfolgen müsse.
"Wir hatten in Haan 17 Hausmeister, die ihre Aufgaben völlig ungeführt erledigten." Ihnen sei dann ein Manager zur Seite gestellt worden. "Ihre Arbeit ist heute wesentlich effizienter." Und führe damit zum Werterhalt der städtischen Gebäude.
Ein wichtiger Faktor beim Kampf gegen die steigende Zahl leerer Geschäfte sei die Einstellung eines "City-Managers", der dem Einzelhandel zur Seite gestellt werden solle. Insgesamt fehlt Buckesfeld bei diesem Thema ein "Masterplan".
"Es wird ja mittlerweile das dritte Innenstadt-Konzept binnen weniger Jahre erarbeitet - was ist denn eigentlich aus den anderen geworden?" Es fehle hier und auch beim Thema Wülfing dem Bürgermeister an Konsequenz. Schon zu seiner Dienstzeit in Radevormwald sei darüber gesprochen worden, Teile der Tuchfabrik, die die Stadt erworben hat, an Gewerbetreibende zu vermieten. Ziel sei es dadurch, Finanzmittel zu erlangen. "Davon ist seit Jahren bei keiner Sitzung mehr die Rede gewesen."
Buckesfeld plädiert dafür, sich auf einzelne "Leuchtturmprojekte" zu konzentrieren und sich damit nicht zu verzetteln. Chancen sieht er nach wie vor bei Wülfing (siehe oben) und auch in Vogelsmühle, wo der Handelsstandort Wuppermarkt erhalten bleiben müsse. Wenig Perspektiven sieht er hingegen für die Industriebrache Hardt & Pocorny in Dahlhausen. Hier müsse man "irgendwann über einen Rückbau nachdenken". |